Sebastian B.

Sebastian erblickte 1993 in Hamburg das Licht der Welt. Ein intelligenter junger Mann, der sich, selbstkritisch und perfektionistisch, Gedanken macht.

Nach der Ausbildung zum Speditionskaufmann gründete er die Bürgerinitiative "Bündnis Hamburg für Datenschutz und Privatsphäre", wo er Bürger über das Thema Index und Datenschutz informiert. Seine erste Demo in Hamburg brachte immerhin zwanzig Teilnehmer auf die Straße.

 

Sebastian BWie kommt ein junger Mensch zu solcher Aktion? 

Als ich mit 18 Jahren zum ersten Mal gewählt habe, merkte ich schnell, dass das alles nur leere Versprechungen waren. Ich möchte nicht einfach nur wählen - ich will mitbestimmen! Das ist besser, als nichts zu tun. Allerdings stoße ich mit meinen Themen und Gedanken zum Thema Datenschutz bei jüngeren Menschen oft auf Unverständnis, werde sogar als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Ich surfe nur noch verschlüsselt im Internet und bin entsetzt darüber, dass junge Leute sich so wenig mit Politik beschäftigen - schließlich geht es doch um ihre Zukunft!

 

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Mehr Ehrlichkeit, Direktheit, Aufrichtigkeit und authentische Politiker, die keine schönen Märchen auftischen. Manchmal fühle ich mich ohnmächtig. Ich finde, wir Deutsche haben Probleme mit Protesten - es geht uns einfach zu gut. Ansonsten glaube ich, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will. Ich wünsche mir ein gutes Einkommen, eine Familie, Reisen - vielleicht um die Welt. Politisch möchte ich einiges ändern. Ich finde unsere Gesellschaft zu engstirnig, zu sehr zum Schubladendenken neigend. Auch die Kleidungs-Etikette finde ich oberflächlich - von wegen, der erste Eindruck zählt und so. Die inneren Werte sind doch entscheidend! Außerdem zählt für mich das Privileg, nicht machen zu müssen, was ich nicht will.

 

Warst du mal anders?

Ja, früher mit 15-19 Jahren war ich gleichgültiger, negativer, richtig depressiv. Ich war viel unterwegs, habe getrunken. Eine Freundin hat mich damals wachgerüttelt. Heute interessiere ich mich für Sport, Familie und Freunde, Tanzen (Melbourne Shuffle), elektronische Musik. Sport und Tanzen mache ich nur für mich - nicht für andere. Ich ernähre mich auch gesund. Gehe kaum noch weg, sitze lieber mit guten Freunden bei tiefsinnigen Gesprächen zusammen. Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol, sehe kein Fernsehen und lese keine Nachrichten. Ich lese lieber unabhänigige Nachrichten im Internet. Früher war ich in vielen Internet-Foren unterwegs, aber die sterben langsam aus, seit es Facebook gibt.

 

Bist du religiös?

Ich bin Agnostiker - ich glaube daran, dass etwas den Urknall verursacht hat.

 

Wie siehst du das Älterwerden?

Ich will nicht älter als 60 werden. Ein schönes Leben haben und dann gehen. Ich habe Respekt vor meinen Eltern, die viel Lebenserfahrung haben, vor klugen Menschen. Aber auch dumme Menschen werden alt. Viele junge Leute aus meinem Umkreis gehen in die Altenpflege.

 

Was macht dir Angst?

Mich beunruhigt die schleichende, subtile Entwicklung zum Überwachungsstaat. Ich sehe immer mehr Strukturen wie früher zu DDR-Zeiten. Wir entwickeln uns meines Erachtens gerade zurück zum totalitären Überwachungsstaat und gewöhnen uns langsam daran! Es heißt doch immer, dass sich die Geschichte wiederholt. Ein Volk sollte keine Angst vor der Regierung haben!

 

Sebastian BWas würdest du an Schulen ändern?

Die Grundfächer finde ich wichtig - Mathe, Deutsch und Englisch. Beurteilungen sollte es geben statt Noten. Das Punkte-System der Gymnasien finde ich gut. Berufsvorbereitung wäre ein super Fach - Projektwochen und Workshops. Ich finde es unmöglich, dass die Schulen die Informatikkurse aus dem Programm genommen haben! Das ist ein wichtiges Fach!

 

Was magst du an Hamburg und den HamburgerInnen?

Die Menschen sind von Stadtteil zu Stadtteil unterschiedlich. Die Harburger sind zum Beispiel nicht so schlimm wie ihr Ruf. Ich mag die Atmosphäre in Hamburg. Den Hafen, die Plätze, die Elbe. Ich möchte in keiner anderen Stadt leben! Die Hamburger Sommer sind in den letzten Jahren viel besser geworden.

 

Was gefällt dir weniger gut an Hamburg?

Die Tags. Ich hasse Tags - also schlechte Graffitis ohne Sinn (Sebastian korrigiert mich: "nicht Tacks, sondern Tags" - über Kopf gelesen - da sag noch mal einer, junge Menschen können keine Rechtschreibung mehr!!). Ich würde viel lieber schöne Streetart sehen! Straßen- und Schulenbau finde ich wichtig und Jugendeinrichtungen.

 

Lebst du in einer Beziehung?

Nein, ich bin seit drei Jahren Single. Ich will auch keine feste Beziehung im Moment, nur Spaß haben.

 

Was würdest du jungen Menschen empfehlen?

Sei immer du selbst! Tue es für dich - und nicht für andere! Gib niemals auf, wenn du eine Idee hast!

 

Und der älteren Generation?

Die sollte moderner denken und aus der Vergangenheit lernen. Nicht so naiv sein und alles glauben, was die Politiker sagen.

 

Was ist dein Lebensmotto?

NEVER.GIVE.UP.

 

Wer mit Sebastian Kontakt aufnehmen möchte:

info@jammz.de - Stichwort: Sebastian

 

Hamburg, Oberhafenkantine, 30. Juli 2013

 

 

 

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